ChatGPT, Gemini und Claude: Welche Nutzerdaten fließen an Dritte?
08.10.2026 um 11:57 Uhr, von Anne

- Eine neue Untersuchung analysiert die Datenweitergabe von neun großen KI-Chatbots, darunter ChatGPT, Gemini und Claude, an externe Dienstleister und Tracking-Anbieter.
- Bei einigen Diensten beobachteten Forscher die Übermittlung von Chat-Links. Welche Informationen tatsächlich weitergegeben werden, unterscheidet sich je nach Anbieter.
- Cookie-Ablehnung und kostenpflichtige Abonnements verhindern nicht automatisch jede Datenübertragung. Besonders sensible Informationen sollten deshalb nicht unbedacht in KI-Chats eingegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
Neun KI-Chatbots auf dem Prüfstand
Untersucht wurden ChatGPT, Google Gemini, Claude, Microsoft Copilot, Perplexity, Grok, DeepSeek, Meta AI und Le Chat von Mistral. Die Forscher analysierten, welche Informationen bei der Nutzung der webbasierten KI-Dienste an externe Empfänger übertragen werden. Dazu gehören beispielsweise Analyseanbieter, Werbetracker und technische Dienstleister. Die Untersuchung identifizierte insgesamt 44 Drittanbieter, an die Daten flossen. Allerdings unterscheiden sich Art und Umfang der Übertragungen zwischen den einzelnen Chatbots erheblich. Nicht jeder Dienst übermittelte vollständige Gesprächsinhalte, und nicht jede Verbindung zu einem externen Dienst bedeutet automatisch, dass persönliche Informationen für Werbung verwendet werden. Wichtig für die Einordnung: Die wissenschaftliche Untersuchung liegt bislang als Preprint vor und wurde noch nicht abschließend unabhängig begutachtet.
Besonders kritisch: Links zu Chatverläufen
Ein auffälliges Ergebnis betrifft die Weitergabe von Chat-Links. Laut der Untersuchung übermittelten fünf der getesteten Dienste Links zu Unterhaltungen an externe Tracking-Dienste. Solche Links können problematisch sein, wenn sie den Zugriff auf Gesprächsinhalte ermöglichen. Allerdings bedeutet die Übertragung eines Links nicht automatisch, dass der Empfänger tatsächlich vollständige Unterhaltungen auslesen konnte. Für Nutzer ist das besonders relevant, weil KI-Gespräche häufig sensible Angaben enthalten. Wer persönliche Probleme schildert, interne Geschäftsunterlagen analysieren lässt oder Kundendaten in einen Prompt kopiert, erwartet normalerweise einen vertraulichen Umgang mit diesen Informationen. Die Ergebnisse zeigen, dass die technischen Datenflüsse hinter einem Chatfenster komplexer sein können, als die Benutzeroberfläche vermuten lässt.
Cookie-Ablehnung und Bezahlabo bieten keinen vollständigen Schutz
Auch übliche Datenschutzmaßnahmen erwiesen sich in der Untersuchung als begrenzt wirksam. Laut den Forschern blieben bei mehreren Diensten Verbindungen zu Drittanbietern bestehen, obwohl nicht notwendige Cookies abgelehnt wurden. Ebenso bedeutet ein kostenpflichtiges Abonnement nicht automatisch, dass keine Daten an externe Dienstleister übertragen werden. Die Studie beobachtete auch bei Premium-Angeboten entsprechende Datenflüsse.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Datenerfassung durch Tracker, Weitergabe an technische Dienstleister und die Nutzung von Chat-Inhalten zum Training von KI-Modellen sind unterschiedliche Formen der Datenverarbeitung.
Wer die Verwendung seiner Gespräche für das KI-Training deaktiviert, verhindert damit nicht zwangsläufig jede andere Datenübertragung.
Warum das auch für Online-Marketing relevant ist
Für das digitale Marketing ist die Untersuchung aus zwei Gründen interessant. Einerseits zeigt sie, dass klassische Tracking-Mechanismen auch innerhalb moderner KI-Anwendungen eine Rolle spielen. Analysewerkzeuge, Werbenetzwerke und externe Dienstleister verschwinden nicht automatisch, nur weil Nutzer statt einer Website einen Chatbot verwenden. Andererseits verändert sich die Qualität der Informationen, die Menschen in digitale Dienste eingeben. Eine klassische Suchanfrage besteht häufig aus wenigen Begriffen. In einem KI-Chat beschreiben Nutzer dagegen ausführlich ihre Interessen, Probleme, Kaufabsichten oder beruflichen Projekte. Solche Informationen können für personalisierte Werbung besonders aufschlussreich sein. Das bedeutet nicht, dass jeder untersuchte Anbieter vollständige Gespräche gezielt für Werbeprofile verwendet. Die Untersuchung verdeutlicht jedoch, weshalb die Weitergabe von Chatdaten datenschutzrechtlich besonders sensibel ist.
Auch Unternehmen sollten deshalb prüfen, welche KI-Dienste ihre Mitarbeiter verwenden und welche Informationen dort eingegeben werden dürfen. Gerade im Marketing können unveröffentlichte Kampagnen, Kundeninformationen, Briefings oder interne Auswertungen betroffen sein.
Wie können Nutzer ihre Daten besser schützen?
Vollständige Kontrolle über sämtliche Datenflüsse haben Nutzer nicht. Einige Vorsichtsmaßnahmen können das Risiko jedoch reduzieren.
Sensible Informationen vermeiden: Passwörter, Ausweisdaten, Gesundheitsinformationen und vertrauliche Geschäftsdaten sollten möglichst nicht in öffentliche KI-Chatbots eingegeben werden.
Dokumente anonymisieren: Personenbezogene Angaben, Kundennamen und interne Kennzahlen sollten vor dem Hochladen entfernt werden, sofern sie für die jeweilige Aufgabe nicht erforderlich sind.
Datenschutzeinstellungen prüfen: Optionen für Modelltraining, Chatverlauf, Personalisierung und Werbung sollten bewusst konfiguriert werden.
Geschäftliche Nutzung regeln: Unternehmen sollten für vertrauliche Informationen geeignete KI-Angebote mit nachvollziehbaren Datenschutzbedingungen und vertraglichen Vereinbarungen verwenden.
Auch der Inkognito-Modus des Browsers ist keine umfassende Datenschutzlösung. Er begrenzt vor allem die lokale Speicherung bestimmter Browserdaten, verhindert aber nicht grundsätzlich die Übermittlung von Informationen an den besuchten Dienst oder dessen eingebundene Drittanbieter.
Fazit: KI-Chats sind keine automatisch vertraulichen Räume
Die Untersuchung des IMDEA Networks Institute zeigt, dass die Nutzung großer KI-Chatbots mit Datenübertragungen an externe Unternehmen verbunden sein kann. Besonders die beobachtete Weitergabe von Chat-Links macht deutlich, warum die technische Verarbeitung von Gesprächsinhalten kritisch betrachtet werden sollte.
Die Ergebnisse sind noch nicht abschließend wissenschaftlich begutachtet und lassen sich nicht pauschal auf jede Nutzungssituation oder jeden Tarif übertragen. Trotzdem liefern sie einen wichtigen Anlass, die eigenen Datenschutzeinstellungen und den Umgang mit sensiblen Informationen zu überprüfen.
Wer einen KI-Chatbot nutzt, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass jede eingegebene Information ausschließlich zwischen ihm und dem jeweiligen KI-Anbieter verbleibt.




















