AIDI vs. HTML: Der radikale Neustart für das Web und die Suche

22.11.2025 um 15:11 Uhr, von Anne

AIDI vs. HTML

Die Art, wie Inhalte heute im Web bereitgestellt werden, steht vor einem fundamentalen Wandel. Der Artikel „The end of the web? Goodbye HTML, hello AIDI!“ auf Search Engine Land zeigt klar auf: Wenn künstliche Intelligenz (KI) und persönliche Agenten die Informationssuche dominieren, droht die klassische Struktur von HTML-basierten Webseiten ihre Relevanz zu verlieren.

Warum das Web “klassischer” Struktur unter Druck gerät

  • Nutzerinnen und Nutzer greifen zunehmend nicht mehr primär über klassische Suchmaschinen-Ergebnisseiten auf Inhalte zu, sondern verwenden KI-Assistenten und persönliche Agenten, die Informationen gebündelt liefern.
  • Das zugrundeliegende HTML-Gerüst vieler Webseiten richtet sich vor allem an menschliche Leser – Maschinen verstehen jedoch Inhalte oft nur begrenzt, wenn sie nicht semantisch aufbereitet sind.
  • Die strukturelle Schwäche von HTML wird besonders sichtbar, wenn man sich anschaut, wie wenig standardisiert viele Inhalte für Maschinen tatsächlich zugänglich gemacht werden – z. B. fehlt häufig die Einbettung von Metadaten oder klaren Datenstrukturen.

Was ist „AIDI“?

Der Begriff „AI Data Interface“ (AIDI) wird in dem Artikel als eine mögliche neue Architektur vorgestellt: Statt einer Webseite in HTML, die von Menschen gelesen wird, gibt es eine API-ähnliche Datenoberfläche, die speziell für Maschinen und KI-Agenten konzipiert ist. Solche Schnittstellen könnten Inhalte nicht nur visuell ansprechend darstellen, sondern maschinenlesbar und „agenten-bereit“ formatieren – mit klaren Feld-Wert-Strukturen, Metadaten, Kontextbezug und dynamischer Auslieferung.

Welche Auswirkungen hat das für Publisher, SEO und Content-Strategien?

  1. SEO muss neu gedacht werden
    Wenn KI-Agenten Inhalte aggregieren und direkt liefern, wird die Sichtbarkeit auf klassischen SERPs möglicherweise nur noch ein Teil der Realität sein. Der Fokus verschiebt sich darauf, wie Daten-Feeds und Schnittstellen für Agenten bereitgestellt werden können.
  2. Content-Formate verändern sich
    Statt aufwändiger Webseiten mit viel Layout und Navigation könnte der Fokus auf strukturierter Datenbereitstellung liegen – also Inhalte, die nicht nur gelesen, sondern „verstanden“ von Maschinen werden können.
  3. Monetarisierung & Geschäftsmodelle passen sich an
    Das Modell vieler Websites, das stark auf Traffic via Suchmaschinen setzt, könnte an Bedeutung verlieren. KI-Agenten könnten Informationen direkt liefern, ohne dass NutzerInnen eine Website bewusst besuchen. Für Publisher heißt das: neue Wege der Wertschöpfung finden – z. B. Daten-Feeds, API-Zugang, Premium-Inhalte oder agenten-optimierte Dienste.

Was ergibt sich daraus für die Praxis?

  • Bestehende Inhalte sollten überprüft werden: Wie gut sind sie semantisch aufbereitet? Werden strukturierte Daten verwendet? Besteht eine klare Daten-, Objekt- oder Entities-Darstellung?
  • Inhalte, die für KI-Agenten sinnvoll aufbereitet sind, könnten einen Wettbewerbsvorteil haben – etwa wenn Nutzern durch Agenten direkt geliefert wird, statt sie erst über Links zu führen.
  • Publisher sollten überlegen, wie sie ihre Inhalte in Formaten bereitstellen können, die Maschinen-freundlich sind – z. B. Daten-Feeds, APIs oder strukturierte Inhalte mit klaren Feld-Wert-Beziehungen.

Fazit

Die Vorstellung, dass Webseiten in HTML langfristig ihr dominierendes Format verlieren könnten, klingt zunächst radikal – doch angesichts der Entwicklungen bei KI-Agenten und Dateninterfaces ist sie keineswegs abwegig. Für die Betreiber von Websites und Content-Strukturen heißt das: nicht warten, sondern proaktiv strukturieren, maschinenlesbar werden und sich auf eine Welt einstellen, in der „Agenten statt Browser“ zur Norm werden könnten. Der klassische Browser-Besuch ist dann vielleicht nur noch eine Option – nicht mehr die Voraussetzung für Sichtbarkeit.

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